„Moderne Lehre gestalten 2015“

Die Tagung „Moderne Lehre gestalten 2015“ des Zentrums für multimediales Lehren und Lernen (@LLZ) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg unterteilt sich in die vierte Jahrestagung des @LLZ  und in das zweite Wissenschaftliche Kolloquium.
1434563802_2090_00_420
Die Jahrestagung des Zentrums für multimediales Lehren und Lernen (@LLZ) am 1.10.2015 steht ganz im Zeichen von Vorlesungsaufzeichnungen und Videoeinsatz. Videos gehören inzwischen wie selbstverständlich zur multimedialen Lehre dazu, aber die Produktion gilt als aufwändig und der didaktische Einsatz muss gut überlegt sein. Oft wird übersehen, dass eine große Bandbreite an möglichen Szenarien und auch möglichen Videoarten existieren, von Vorlesungsaufzeichnungen als Einstieg über daraus weiter entwickelten kleinen Lerneinheiten oder selbst produzierten Bildschirmaufzeichnungen bis hin zu eigens produzierten Lehrfilmen. Am einfachsten ist sicherlich die Einbindung von frei verfügbaren Lehrmaterialien – wir zeigen Ihnen, wo Sie entsprechende Angebote finden. Unser Ziel besteht darin, Ihnen die gesamte Palette möglicher Produktions- und Anwendungsszenarien vorzustellen. Die Tagung richtet sich vor allem an Lehrende von Hochschulen, aber auch an interessierte Akteure aus Schulen, Behörden oder Firmen im E-Learning-, Multimedia- oder Weiterbildungsbereich.
Nach den Keynotes zu dieser Thematik von Frau Dr. Anne Thillosen (e-teaching.org) und Prof. Dr. Olaf Christen (Uni Halle) werden Lehrende aus fünf Fakultäten Beispiele ihrer Lehrpraxis präsentieren, zudem können Sie sich vor Ort über Vorteile, Produktionsmöglichkeiten und Umsetzungsszenarien informieren oder auch an einem der Praxisworkshops teilnehmen. Im Rahmen der Tagung wird zudem der Rektor unserer Universität den diesjährigen Preis für multimediales Lehren und Lernen, den @ward 2015, verleihen.


Das zweite Wissenschaftliche Kolloquium „Lernen – Verstehen – Wissen“ am 2.10.15 lädt alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein, über ihre Arbeiten zur Grundlagen-­ und Anwendungsforschung für eine moderne akademische Lehre zu berichten, wobei als inhaltlicher Schwerpunkt des Kolloquiums das E-Assessment gewählt wurde. Für die Keynote konnte Prof. Dr. Dietrich Albert (TU Graz) gewonnen werden.

Beide Tagungsteile stehen in einem Zusammenhang, können aber auch einzeln besucht werden.
Informationen zum Programm: http://www.llz.uni-halle.de/veranstaltungen/mlg15/
Gemeinsame Anmeldung: http://www.llz.uni-halle.de/veranstaltungen/mlg15/anmeldung/

Online-Kurse führen zu Motivationsverlust und weniger Kommunikation?

Wenn Lehrende in ihrem allerersten Online-Begleitkurs ein Forum eingerichtet haben, sind sie von eventuell ausbleibenden Beiträgen der Studierenden enttäuscht. Hat denn niemand inhaltliche Fragen oder Kommentare? Und wenn dann eine Frage kommt – warum geht es dann meist um die Prüfungen am Ende des Semesters? Und warum kommen trotzdem so viele in die persönliche Sprechstunde? Der Fall scheint klar: Online-Kommunikation funktioniert nicht.  

CC0 Public Domain

Bei der Online-Kommunikation sollte man sich von Vorbehalten, aber auch von überzogenen Erwartungen trennen. Auch in einem normalen Seminarraum sprechen nicht alle drauf los, sondern es gibt formale Kommunikationsaufforderungen (Fragen stellen lassen, direkt ansprechen, Zeit für Kommentare geben, ein Problem ausdiskutieren). Damit dies auch in einem Online-Kurs passiert müssen Lehrende und Studierende Vereinbarungen treffen und deren Einhaltung auch prüfen und gegenseitig einfordern. Grundsätzlich stehen dafür sehr viele Kanäle bereit: Zum Beispiel ein Forum allein für die technischen oder administrativen Fragen, inhaltliche Foren, einzufordernde Blogbeiträge, Feedback bei abzugebenden Aufgaben, Peer-to-Peer-Kritik und anderes mehr. Dies muss aber jeweils eingerichtet, vereinbart und eingefordert werden. Manche Lehrende klagen hier eher über ein Zuviel an Kommunikation und es gehört auch etwas Erfahrung dazu, das richtige Maß mit den richtigen Werkzeugen zu finden. Dennoch sollten Lehrende diese Arbeit nicht vollständig an Tutoren abgeben, denn Studierende schätzen den direkten Kontakt. Und wenn Kommunikation den Kern jeder Lehre darstellt, gilt dies selbstverständlich auch für Online-Angebote. Grundsätzlich kann online genau so viel kommuniziert werden, wie in einem Präsenzseminar, von dem wir wissen, dass die Beteiligung auch sehr schwanken, unterschiedlich verteilt sein kann und nicht zuletzt mit jüngeren Semestern auch geübt werden muss. Gerade die Online-Kommunikation bietet Lehrenden aber die Möglichkeit, auch gezielt einzelne Studierende anzusprechen, einzubeziehen und damit zu motivieren (natürlich nicht über das allgemeine Seminarforum). Auch die Gruppenarbeit wird über Online-Werkzeuge erleichtert, einmal mit Blick auf ihre administrative Einrichtung, zum anderen mit Blick auf den Prozess der gemeinsamen Gestaltung und Ergebnispräsentation.

Also: Wenn in Ihrem Begleitkurs die Kommunikation im Forum nur sporadisch erfolgt, liegt es vielleicht auch am Kurs-Design, an fehlenden Problemstellungen oder an fehlenden Absprachen mit den Studierenden. Ein Problem des Mediums ist es nicht.

Bild: Motivation, CC0 Public Domain

Vergabe der ersten Zertifikate „Multimediale Lehre“ am @LLZ

Logo_zertifikat Seit Januar 2015 werden alle Schulungsangebote des Zentrums für multimediales Lehren und Lernen im Rahmen des Zertifikats “Multimediale Lehre” angeboten.

Ziel der Veranstaltungen des Zertifikats ist es, die Teilnehmer anzuregen, Ideen zur Integration von Multimedia und E-Learning in ihrer Lehre zu entwickeln, um diese flexibler, effizienter oder abwechslungsreicher gestalten zu können. Durch den Erwerb von mediendidaktischen und technischen Kompetenzen werden die Lehrenden in die Lage versetzt, E-Learning-Szenarien in der eigenen Lehre umzusetzen.

Ein wichtiger Bestandteil des Zertifkats ist neben der Teilnahme an den Pflicht- und Wahlveranstaltungen die Erstellung eines Konzepts für eine multimedial gestützte Lehrveranstaltung, um sicher zu stellen, dass die Teilnehmenden die erworbenen Kenntnisse praktisch auf die eigene Lehre anwenden.

In der gestrigen Abschlussveranstaltung stellten Heike Link, Stefanie Vauteck und Dr. Kerstin Völkl ihre Konzepte zur Einbindung von Multimediaelementen in ihre Lehrveranstaltungen vor. Sie erhalten damit als erste das Zertifikat „Multimediale Lehre“ und das sogar in Bestzeit bereits nach nur einem halben Jahr.

zertifikatMML_2015_2
Heike Link, Dr. Kerstin Völkl und Stefanie Vauteck sind die ersten Absolventen des Zertifikats „Multimediale Lehre“.

Die fachlichen Themen der Vorträge reichten dabei von Altgermanistik über Deutsch als Fremdsprache zur Methodenlehre in Politikwissenschaften und zeigten, dass sich multimediale Lehre auf vielfältigste Art und Weise umsetzen lässt.

Für Interessenten sind die Termine der Zertifikatsveranstaltungen des Wintersemesters 2015/16 schon jetzt auf den Webseiten des @LLZ verfügbar. Dort finden Sie auch den Link zur Stud.IP-Veranstaltung zu den jeweiligen Terminen, in der Sie sich verbindlich zu den Veranstaltungen anmelden können. Die einzelnen Schulungen stehen allen interessierten Lehrenden der MLU offen und können auch unabhängig vom Erwerb des Gesamtzertifikats besucht werden. Für Zertifikatsinteressierte empfiehlt sich der Einstieg mit der Veranstaltung „Grundlagen multimedialer Lehre“.

Veranstaltungskonzepte, die im Rahmen des Zertifikatsprogramms entstehen und in den kommenden Semestern umgesetzt werden sollen, können auch als Bewerbung um den @ward – Preis für multimediales Lehren und Lernen eingereicht werden. Die Preisträger werden durch die Finanzierung einer studentischen Hilfskraft bei der Umsetzung ihres Projekts unterstützt.

Damit das Studium für alle passt.

Quelle: Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Quelle: Institut für Hochschulforschung (HoF) an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Im Verbundprojekt „Heterogenität als Qualitätsherausforderung für Lehre und Studium“ (HET LSA) ist eine Dokumentation von Beispielen guter Praxis bei der Entwicklung von Studium und Lehre erschienen.

Die präsentierten Projekte stellen die Verbundarbeit sowie weitere Beispiele und Ansätze aus Studium und Lehre, als Antworten auf eine steigende Heterogenität der Studierendenschaft an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt dar. Heterogenität bezeichnet die Vielfalt der sozialen, ethnischen, altersbezogenen und lernbiographischen Voraussetzungen der Studierenden bei der Aufnahme eines Studiums.

Die Beiträge der Lehrenden und Hochschulpraktikern in der Broschüre sind so gestaltet, dass sie Hinweise und Empfehlungen zur Übertragbarkeit bieten. Zu nennen sind hier beispielsweise Maßnahmen zur Professionalisierung von Lehre und Studienberatung oder die Optimierung der Studieneingangsphase.

Von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg berichten folgende neun Autorinnen und Autoren über Projekte und gute Lehre:

  1. Ein Blended-Learning-Angebot für Hochschullehrende. Seminare heterogen gestalten.
    Szalai, Rahel und Schulz, Anja
  2. Das Projekt „Prologe“ und ausgewählte Massnahmen des Hochschulmarketings
    Evers, Torsten und Seidel-Jähnig, Annika
  3. Aufbau eines E-Learning Netzwerks für die Hochschulen Sachsen-Anhalts
    Ionica, Lavinia und Schulz, Anja
  4. @LLZ
    Gerth, Michael
  5. Zertifikat Multimediale Lehre
    Müller, Wenke
  6. ARSnova
    Atkins, Kevin und Dr. Jäger, Kathrin
  7. CampusConnect – Im Gespräch mit Kristina Haase
    Kristina Haase
  8. Medmenthalle: Chancen und Herausforderungen eines Mentoringprogramms für die Medizinische Fakultät
    Dr. med. Walldorf, Jens
  9. Angebote für internationale Studierende an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    Eisenkopf, Grit

Quelle.
Verbundprojekt Heterogenität als Qualitätsherausforderung für Studium und Lehre (Hrsg.), 2015: Damit das Studium für alle passt. Konzepte und Beispiele guter Praxis aus Studium und Lehre in Sachsen-Anhalt. 140 S., auch unter: http://www.het-lsa.de/hetlsa_media/Studium_fuer_alle.pdf

Von Pferden, Kühen, Pudeln und Co. Ein nicht ganz ernst gemeinter Sommerpost

cow-48431_640
CC0 1.0

Geht es Ihnen auch manchmal so, dass der Gedanke an Multimedia in der Lehre zwiespältige Assoziationen bei Ihnen auslöst? Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich rede nicht vom Sinn oder Unsinn des Einsatzes digitaler Tools oder der Umsetzung mediendidaktischer Konzepte an der Universität. Was das betrifft, bin ich ein ausdrücklicher Befürworter immer dort, wo digitale Medien einen Mehrwert für Lehrende oder Lernende versprechen.

Nein, ich rede lediglich von den Namen ebendieser Tools und Konzepte:
Wenn ich ILIAS höre, denke ich zuerst an trojanische Pferde, ARSnova hört sich irgendwie nach kollabierenden Sternen an und Blended Learning erinnert mich an schottischen Whisky. Eine hinterhältige Falle, eine Supernova und ein billiger Verschnitt – nicht die besten Voraussetzungen, um sich mit Multimedia in der Lehre anzufreunden, scheint mir. Und solche irritierenden Bezeichnungen findet man allenthalben – hier ein paar weitere Beispiele:

  • Moodle“ – Nachdem ich bereits vor ein paar Jahren die Existenz von Labradoodles zur Kenntnis nehmen musste, drängt sich die Befürchtung auf, dass es sich hierbei ebenfalls um eine Pudelmischung handelt. Mops und Pudel vermutlich. Nichts gegen Hunde, aber ein haariges, krummbeiniges Fellknäuel, welches man wegen seiner Kurzatmigkeit schonen muss?
  • Wiki“ – Das kennt man schon von Julius Cäsar (Ich kam, ich sah, ich, ähm, schrieb schnell eine Seite?). Nun ja, das Ende ist bekannt …
  • Flipped Classroom“ – Ein ausgeflippter Klassenraum? Wieso sollte man das wollen? Mir persönlich wäre „Hoch konzentrierter Classroom“ deutlich lieber!
  • MOOC“ – Sprich: Muuhk. Hat vermutlich was mit Kühen zu tun … Kühe sind irgendwie gemütlich. Allerdings stinken sie auch ganz schön. Nichts, was man gerne im Seminarraum rumstehen hat …

Unterstellen Sie mir ruhig bösen Willen, aber meiner Meinung nach zeichnet sich da eindeutig ein Muster ab. Vielleicht ist das ja sogar gewollt? Eine Verschwörung zur Rettung analoger Medien? Arbeitsblätter statt Blogbeiträge? Obwohl, ganz ehrlich, Arbeitsblätter kann man am Strand viel besser bearbeiten … In diesem Sinne: Schöne Sommerferien!

 

Nachwort: Eine Kollegin hat mich darauf hingewiesen, dass die Ilias endet, ohne dass Troja erobert wurde. Nach einer Recherche in der Wikipedia (Veni, vidi!) kann ich mich dem nur anschließen. Also keine Pferde in ILIAS …