Ein Gebäude in 3D erkunden – das IG Farben-Haus der Uni Frankfurt/M.

Frisch von der Schule ist die Universität mit ihren vielen Gebäuden für viele Studienanfänger ein unbekannter Kosmos, den es Stück für Stück zu entdecken und zu verstehen gilt. Wo finde ich meine Räume? Wo ist die Mensa? Wie und wo finde ich die passenden Bücher für das erste Referat oder die erste Hausarbeit? Was bedeuten all die merkwürdigen Abkürzungen s.t. und c.t. ? Und erst die Gebäudenummern…

In Frankfurt am Main ist das nicht anders als anderswo in der Hochschullandschaft in der Bundesrepublik. Die Goethe-Universität Frankfurt am Main hat ein besonderes Gebäude in ihrer Nutzung – das IG Farben Haus oder Poelzig-Bau, welches mit einer beachtlichen Geschichte aufwarten kann. Dieses wird als 3D-Spiel im Rahmen eines Projekts aus dem Qualitätspakt Lehre 2020 den Studierenden als Ort der Geschichte erlebbar gemacht. Eingebettete Orientierungs- und Infopunkte sowie Lernmodule vermitteln Informationen und Inhalte rund um das Studium.

3D IG Farben Haus

Auf der GML² 2014 in Berlin stellte Dr. Markus Häfner das Vorhaben IG Farben-Haus/Poelzig-Bau 3D am Beispiel der Bibliothek vor. Die Spieler befinden sich in einer simulierten Welt und bewegen sich wie in der Realität frei im Gebäude. Im Bibliotheksquiz erhalten sie den Auftrag ein bestimmtes Buch zu suchen und durchlaufen dabei die Schritte von der Buchliste über Signaturnotierung bis hin zur Ausleihe.

Ausleihe BzG

Ausleihe BzG

 

Bibliotheksquiz

Bibliotheksquiz

Buch gefunden

Buch erfolgreich gefunden

 

Entweder wählt man eines der verschiedenen Szenarien aus, die Räume zum Erkunden vorschlagen, oder entdeckt das Gebäude auf eigene Faust. Hinweise werden als Lernmodule oder auch über Links zu externen Materialien angeboten. Unter anderem sollen Fragen wie „Wo befinde ich mich im Gebäude?“ oder „Wo finde ich Bücher aus meinem Fachbereich?“ von den Studierenden beantwortet werden können. Haben sie sich in der 3D-Welt gründlich umgeschaut, tritt sehr wahrscheinlich ein „Aha-Effekt“ ein, wenn sie das Gebäude wirklich betreten, da sie den Aufbau der Etagen und die Suche nach Büchern bereits aus dem Spiel kennen und sich orientieren können.

Im Sommersemester 2014 war eigentlich der Spielstart geplant, jedoch zeigte sich in einem Demotest mit Studierenden, dass es an manchen Stellen im Spiel noch Anpassungsbedarf gibt, der bis zum kommenden Wintersemester umgesetzt wird. Neben vielen neu eingefügten Fotos aus dem Gebäude von Türschildern oder Schwarzen Brettern, die jeweils mit den entsprechenden Homepageseiten verlinkt sind, wird das gesamte Spiel künftig auch in Englisch spielbar sein.

Beim Spiel selbst wird darauf geachtet, Informationen nicht doppelt anzubieten. D.h. wenn im Spiel ein Informationspunkt, wie z.B. eine Tür oder eine Geschichtstafel angeklickt wird, gelangt man auf die entsprechende Homepage mit näheren Informationen. Auf diese Weise entdeckten die Teststudierenden Bereiche, die sie so vorher noch gar nicht kannten. Das stieß auf positive Resonanz. Auch fanden sie insgesamt die Nachbildung des Gebäudes und die damit verbundene andere Informationsaufbereitung gut. Dass dabei die grafische Oberfläche nicht mit gängigen 3D-Spielen mithalten kann, störte sie nicht bzw. wurde nicht als negativ empfunden. Im Vordergrund stand die Informationsdarstellung und dass man sich durch das Gebäude bewegen kann.

Als weitere Spieloption wird es eine virtuelle Ausstellung zur Geschichte des IG Farben-Hauses geben. Im Rahmen einer Übung am Historischen Seminar der Goethe-Universität unter der Leitung von Herrn Häfner befassten sich Studierende der Geschichtswissenschaft mit der Historie des Hauses und schreiben über den Sommer zu sieben Themenblöcken kurze Infotexte für eine virtuelle Ausstellung. Die Texte werden in das Spiel eingebaut und somit war die Motivation der Studierenden entsprechend hoch, sich bei der Ausarbeitung des Ausstellungskonzepts zu beteiligen, weil ihre Texte nach der Abgabe nicht in einer Schublade verstauben, sondern nachfolgenden Studierenden über das Spiel zur Verfügung stehen werden.

Ab dem Wintersemester 2014 wird das Spiel mit den erwähnten Erweiterungen veröffentlicht werden. Perspektivisch wird es neben dem Historischen Seminar noch weitere Rundgänge durch verschiedene Institute geben.

Wer vorab einen kleinen Einblick in das Spiel haben möchte, kann sich diesen Screencast ansehen.

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