Statt in eine Lernplattform lieber in zusätzliche Lehrkräfte investieren?

Was aus Sicht eines einzelnen Studiengang oder eines kleineren Instituts durchaus nachvollziehbar ist, verliert im Maßstab einer Universität mit mehr als 1000 Lehrenden seine Schlagkraft. Im Gegenteil: Wenn die potentielle, zentrale Unterstützung aller Lehrenden wegfällt, wären deutlich mehr Lehrende und Studierende betroffen, als im umgekehrten Fall profitieren könnten.
Man muss sich nur einmal vorstellen, was es für die Arbeit einer Universität bedeutet, wenn z.B. plötzlich das Internet nicht mehr „aus der Wand“ kommt. Was heute oft als selbstverständlich vorausgesetzt wird, erfordert in Wirklichkeit jede Menge Aufwand, der aber kaum sichtbar ist. Dies geht im Grunde allen Dienstleistungen so, deren Inanspruchnahme nicht mit einer direkten Rechnung verbunden ist. Es gilt für Softwaredienste, Beratungs- und Unterstützungsleistungen oder eben auch für eine Supportstruktur, die man gegenwärtig vielleicht nur selten in Anspruch nimmt und daher grundsätzlich für verzichtbar hält. Vieles ist aber heute (allein technisch) nicht mehr aus eigener Kraft zu leisten, was gerade zu Semesterstart regelmäßig überraschend festgestellt wird. Selbst eine Lernplattform funktioniert nicht von alleine, zumindest nicht lange.
Ohne leistungsfähige Infrastruktur für Technik, Support und Beratung sind heute Lehre, Studium und Forschung kaum möglich, auch wenn diese Bedeutung im Alltag oft aus dem Blick gerät. Im Kern sind es Basisleistungen einer Universität mit Einfluss auf sämtliche Outputs. Nicht von ungefähr heißt es z.B. im kürzlich vom Senat der Universität verabschiedeten „Multimedia-Leitbild“: „Dem multimedialen Lehren und Lernen wird (..) eine strategische Bedeutung zugestanden, als Voraussetzung für nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit gesehen und von der Universität aktiv gefördert. Die dafür notwendigen Medienkompetenzen bei Lehrenden und Studierenden, kooperative und fächerübergreifende Forschungsvorhaben sowie angemessene zentrale Services werden in einem Gesamtprozess kontinuierlich entwickelt. Die Bereitstellung der entsprechenden technischen Infrastruktur ermöglicht eine nachhaltige Umsetzung dieser Strategie.“
Zusammengefasst: Die Abschaffung zentraler Dienste für die Lehrunterstützung führt insgesamt nur zu einem geringen Spareffekt. Was dem Einzelnen verzichtbar erscheint, hätte negative Auswirkungen für alle. Basisdienste wie der Einsatz einer Lernplattform, von Vorlesungsaufzeichnungen und Online-Prüfungen sowie die Information und Beratung der Lehrenden sind heute selbstverständlicher Service einer Hochschule. Und ja, das ist nicht kostenlos zu haben.
Teil 6 der Serie „Vorurteile“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5)
Illustration: Frits Ahlefeldt (CC 2.0, by nc nd)
LLZ-Jahrestagung 2015 | Impressionen
Twitter auf Konferenzen

Kennen Sie dieses Szenario? Auf Ihrer Konferenz wird während eines Vortrags ständig ins Tablett oder Smartphone getippt. Teilnehmer twittern zum Thema des Vortrags, zitieren die Referenten, senden Fotos und relevante Links, geben Hinweise auf sonstige Quellen, berichten über eigene Erfahrungen oder Verabreden sich schlichtweg zum Mittagessen.
Twitter wird auf Konferenzen verwendet um den Dialog zwischen den Teilnehmern zu unterstützen. Unter den Teilnehmern werden Netzwerke gebildet, indem unter dem offiziellen Hashtag (z.B. #Konferenzname) Beiträge von max. 140 Zeichen geschrieben und veröffentlicht werden. Am Ende einer Konferenz können die Twitternachrichten über den Dienst von Storify zusammengefasst werden.
Für Teilnehmer, die in anderen Sessions sind oder die an der Konferenz nicht aktiv teilnehmen sind diese Beiträge sehr wertvolle, aktuelle und authentische Informationsquellen.
Twitter ist im Jahr 2015 auch das beliebteste Tool zum Lernen, wie Jane Hart in ihrer jährlichen Untersuchung zu den Top 100 Tools for Learning 2015 feststellen konnte. Unter einem Tool versteht sie: „A learning tool is any software or online tool or service that can be used for your own personal learning or for teaching or training.“
Linktipps
- Wenn Sie sich über die Funktionsweisen von Twitter erkundigen möchten, kann ich Ihnen die Linksammlung von Webstandard-Blog empfehlen.
- Wer zum Thema E-Learning informiert bleiben möchte, empfehlen wir den Twitterkanal des LLZ zu folgen.
Essentielles für erfolgreiche E-Portfolioprojekte

Portfolios sind Sammlungen von Studierenden-Arbeiten, „welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen dieser auf einen oder mehreren Gebieten zeigen.“ (Zitat: Paulson et al., 1991).
Sie werden in Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Erwachsenenbildung erfolgreich umgesetzt und knüpfen an dem Ideal der selbstbestimmten und freien persönlichen Entwicklung (Salzburger Research, Edumedia, 2007: 16) an. Elektronische Portfolios sind i.d.R. eine digitale Version dieser Sammlungen.
Wenn Portfolios zielgerichtet eingesetzt werden, unterstützen sie Lernende bei der Bewusstmachung und das Verstehen des eigenen Lernens und dessen Steuerung. Portfolios sind individuelle Instrumente, die für einen gelungenen Lernprozess essentielle Entscheidungen voraussetzen. Einige davon werden in diesem Blogbeitrag vorgestellt.
1. Portfolioziel festlegen
Was soll mit der bevorstehenden Portfolioarbeit erreicht werden?
- Portfolios as Learning: Sollen die besten Arbeiten der Studierenden als Präsentationsportfolios gesammelt werden, die ev. einem externen Publikum vorgestellt und/oder evaluiert werden können?
- Portfolios for Learning: Werden Lernportfolios gewünscht, die den Lernprozess begleiten und Studierende bei der Selbstreflexion und Selbstbewertung der eigenen Leistungen dienen?
Die Entscheidung für ein Portfolioziel ist wesentlich, da es eine große Auswirkung auf das Portfoliodesign hat.
2. Auswahl eines Tools für das E-Portfolio
Welches Tool kommt in Frage?
Je nach Zielsetzung kommen verschiedene Tools in Frage. Hier im Blog wurden in der Vergangenheit über die Umsetzmöglichkeiten via Lernplattform Ilias individuelle Portfolios oder Gruppenportfolios umzusetzen berichtet.
- Beliebt bei Lehrenden und Studierenden sind Portfolios, die mit einer Blogsoftware wie WordPress realisiert werden. Hier lassen sich Berichte, Lerntagebücher etc. einzeln oder als Gruppe realisieren.
- Eine weitere verbreitete Option ist Evernote, eine Software zum Schreiben, zum Speichern und zum Teilen von Notizzetteln. Darüber hinaus lassen sich die Einträge mit Evernote online und offline bearbeiten.
- Auch beliebt sind eigene Websites als Portfolio, welches sich z.B. mit Weebly oder Google Sites realisieren lässt.
- Schließlich sollte die Papierversion an dieser Stelle noch erwähnt werden, da, je nach Zielsetzung, diese Option auch interessant sein kann.
Bei der Auswahl eines Instruments sollten stets die Ziele des Portfolioprojekts bedacht werden und ob diese mit den Funktionalitäten der ausgewählten Software realisiert werden können.
3. Verschiedene Textsorten einbinden
Fremdsprachenlehrende nutzen die Möglichkeit Audiodateien in E-Portfolios einzubinden um z.B. das Hörverstehen und/oder die eigene Aussprache in der Fremdsprache über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Auch beliebt sind Videojournale, die fächerübergreifend einsetzbar sind.
Der Vorteil von E-Portfolios ist, dass sowohl Dokumente wie Word aber auch PowerPoint-Präsentationen, Video- und Audiodateien eingebunden werden können und somit das Portfolio multimedial aufbereitet werden kann.
4. E-Portfolios einem Publikum bereitstellen
Wer darf die Beiträge der Studierenden im E-Portfolio lesen?
Eigentümer eines Portfolios sind immer die Autoren selber. Diese erhalten im E-Portfolio die Möglichkeit ihre Lerndokumente darzustellen und ggf. zu präsentieren.
Wenn Lernportfolios erstellt werden, wird i.d.R. ein Feedbackinstrument eingeplant, damit Lernende während des Lernens eine Rückmeldung zu Ihrer Arbeit erhalten. Die Arbeit mit E-Portfolios ermöglicht das Peer-Feedback und auch die Kommunikation mit einer Lehrperson.
5. Zeit für die Portfolioarbeit einplanen
Wurde für die Portfolioarbeit genügend Zeit geplant?
Je nach Zielsetzung wird die E-Portfolioarbeit als zeitaufwändig sowohl von Seiten der Lehrenden als auch von den Lernenden empfunden.
Während Lehrende Portfoliobeiträge (s.g. Artefakte) lesen und Feedback geben, sind Lernende verpflichtet Portfoliobeiträge zu erstellen. Je nach Gruppengröße und je nachdem wie viele Beiträge jeder Lernende erstellen muss, benötigt die Portfolio einen eigenen Zeitrahmen. Dieses kann u.U. beinhalten, dass die Portfolioarbeit in den Kurs curricular eingebunden und somit fester Bestandteil eines Kurses wird.
6. Vorlagen für das selbstgesteuerte Lernen bereitstellen
Unerfahrene Portfolioanwender benötigen i.d.R. Hilfestellungen um selbstgesteuert Aufgaben erledigen zu können. Zu diesem Zweck eignen sich s.g. Portfoliovorlagen oder Templates, welche ein Leitfaden für z.B. die Lernzielformulierung, Selbstreflexion, Lernplanung, Selbstevaluation darstellt.
7. Lehrende für die Portfolioarbeit fortbilden
Wenn Portfolios curricular eingebunden sind, ist die Akzeptanz der Lehrenden für die E-Portfolioarbeit entscheidend. Bisiovsky & Schaffert (2009) stellen fest, dass der Nutzen für alle Beteiligten (Lernende, Lehrende, Mitarbeiter/innen der Organisation) transparent, klar und leicht nachvollziehbar definiert werden muss.
(E-)Portfolios sind Sammlungen von Studierenden-Arbeiten, welche die individuellen Bemühungen, Fortschritte und Leistungen dieser auf einen oder mehreren Gebieten zeigen. Es geht folglich um die Darstellung der eigenen Entwicklung, des eigenen Könnens bzw. der eigenen Leistungen.
Literatur
Bisovsky, Gerhard; Schaffert, Sandra (2009). Lehren und Lernen mit dem E-Portfolio – eine Herausforderung für die Professionalisierung der Erwachsenenbildner/innen. Reihe texte.online. Online zugänglich unter: http://www.die-bonn.de/id/4196 (06.11.2015).
Hornung-Prähauser, Veronika u. a. (2007): Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit EPortfolio-Implementierungen an Hochschulen. Online zugänglich unter: http://edumedia.salzburgresearch.at/images/stories/e-portfolio_studie_srfg_fnma.pdf (06.11.2015).









































