Impulse zur Gestaltung der Selbstlernmodule

Seit der Einführung der Bachelor-Master-Studiengänge werden Veranstaltungsformate wie Seminare, Übungen, Vorlesungen in s.g. Module organisiert. Zusätzlich zu den eben genannten Formaten enthalten Module einen nicht unerheblichen Anteil an Selbststudium. Gut darstellen lässt es sich am Beispiel des ASQs „Wirtschaft für Nichtwirtschaftswissenschaftler“ (5 LP) mit einem studentischen Arbeitsaufwand von 150 Stunden. In diesem ASQ wird das Kontaktstudium mit 30, das Selbststudium mit 105 und die Klausurvorbereitung mit 15 Stunden verrechnet.

Im Rahmen dieses Blog-Beitrags gilt das Interesse dem selbstgesteuerten Lernen und den Möglichkeiten seiner Integration in digitalen Lernumgebungen.

Verlaufen selbstgesteuerte Lernprozesse immer effektiv?

Nicht selten führen selbstgesteuerte Lernprozesse nicht zu den gewünschten Ergebnissen und es bleibt häufig unberücksichtigt, dass selbstgesteuertes Lernen eine intensive Beratung und Begleitung notwendig macht. Darüber hinaus sind die Aktivitäten der an Lernprozessen beteiligten Akteure nur unzureichend koordiniert (Bärenfänger, 2004). Auch führen selbstgesteuerte Lernprozesse häufig nicht zu den gewünschten Ergebnissen, weil die individuellen Gegebenheiten der Lernenden – etwa ihre jeweils unterschiedlichen Ziele, Motivationen, Begabungen, Lernstile und ihr Vorwissen– nicht angemessene Berücksichtigung finden. Schließlich müssen in der Regel bei den Lernenden erst die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, mit den neu entstandenen Spielräumen umzugehen (Friedrich, 2002).

Was genau ist das selbstgesteuerte Lernen?

Sowohl in der englischsprachigen als auch in der deutschen Literatur zum selbstgesteuerten Lernen lassen sich viele Definitionen finden. Im Folgenden wurde eine Definitionen ausgewählt, bei der sich die Komplexität und der Facettenreichtum des selbstgesteuerten Lernens widerspiegelt:

  • Nach Knowles (1980) ist selbstgesteuertes Lernen ein Prozess, bei dem „… der Lerner – mit oder ohne Hilfe anderer – initiativ wird, um seine Lernbedürfnisse festzustellen, seine Lernziele zu formulieren, menschliche und dingliche Ressourcen für das Lernen zu identifizieren, angemessene Lernstrategien zu wählen und zu realisieren und um die Lernergebnisse zu evaluieren“ (Knowles, 1980, S. 18; Übers. durch Friedrich & Mandl, 1997).

Welche Anforderungen setzen Selbstlernprozesse an Studierende?

Bei näherer Betrachtung der Aspekte der Definition lässt sich feststellen, das Selbststudium setzt mehr Anforderungen an den Studierenden und sie werden mit anderen Aufgaben als im traditionellen Unterricht konfrontiert. In diesem Zusammenhang hat Simons (1992) das Anforderungsprofil eines selbstgesteuerten Lernenden herausgearbeitet. Folgende Aufgaben eines Lernenden lassen sich identifizieren:

  • Das Lernen vorbereiten
  • Die Lernhandlung durchführen
  • Das Lernen mit Hilfe und Kontroll- und Eingreifstrategien regulieren
  • Die Lernleistung bewerten
  • Die Motivation und die Konzentration aufrechterhalten

Wie können Selbstlernmodule gestaltet werden, um das Lernen zu fördern?

Friedrich/Mandl (1997) erwähnen in ihrem Beitrag die Gestaltung der Lernumgebungen als Maßnahme zur Förderung der Selbstlernkompetenz. Unter Lernumgebungen verstehen Friedrich/Mandl (1997:258) „das Arrangement der äußeren Lernbedingungen (Personen und Institutionen, Geräte und Objekte, Symbole und Medien, Informationsmitte und Werkzeuge) und Instruktionsmaßnahmen (Lernaufgaben, Sequenz der Lernschritte, Methoden u.a.), die Lernen ermöglichen und erleichtern.“ Vorausgesetzt wird, dass die Lernumgebung durch ihre Konzeptionsart das selbstgesteuerte Lernen fördert und ermöglicht (Friedrich/Mandl, 1997:258).

Welche Aspekte des Lernens müssten beim selbstgesteuerten Lernen in Online-Lernumgebungen berücksichtigt werden?

  • Studierende müssten die Gelegenheit erhalten, eigene Lernbedürfnisse festzustellen: Identifikation des persönlichen Lernziels, im Sinne des Erwerbs einer persönlichen Kompetenz; 
  • Selbstständig Teilziele für das jeweilige Lernvorhaben treffen können: Ermittlung der inhaltlichen Teilziele als Voraussetzung für das Erreichen des Hauptziels;
  • Aktive Einbeziehung im Lernprozess: Inhaltliche Planung und Vorbereitung der einzelnen Hausaufgaben;
  • Lernressourcen: Sinnvolle Koordination der Ressourcen, Medien und Lernmaterialien durch die Studierende;
  • Selbständig die zeitlichen Planung übernehmen: Erwerb von Kompetenzen aus dem Bereich Zeit- und Projektmanagement;
  • Monitoring des Lernens: Lehrende stellen Instrumente zur (Selbst-) Evaluation bereit. Studierende erfahren so, ob ihr anvisiertes Lernziel erreicht wurde. 
  • Berücksichtigung methodischer Aspekte: Vermittlung u.a. von Wissen über Lernprozesse, Lernstrategien, Methoden.

 Im folgenden werden einige Beispiele aus Ilias-Kursen vorgestellt.

 

 

 

Literatur

Bärenfänger, Olaf. (2004). Fremdsprachenlernen durch Lernmanagement: Grundzüge eines projektbasierten Didaktikkonzepts. Fremdsprachen Lehren und Lernen, 33, 251-267.

Friedrich, Helmut. (2002). Selbstgesteuertes Lernen – sechs Fragen, sechs Antworten. Online unter: http://netzwerk.lo-net2.de/lfvt/Fortbildung/Paedagogik/Selbstgesteuertes%20lernen.pdf (02.10.2014).

Friedrich, H.F. & Mandl, H. (1997). Analyse und Förderung selbstgesteuerten Lernens. In F.E. Weinert & H. Mandl (Hrsg.), Psychologie der Erwachsenenbildung (Enzyklopädie der Psychologie, D, Serie I, Pädagogische Psychologie, Band 4: Erwachsenenbildung, S. 237-293). Göttingen: Hogrefe.

Glowalla, U., Glowalla, G. & Kohnert, A. (2002). Studierverhalten in Online-Bildungsangeboten. In Issing, J.L. & Klimsa, P (Hrsg.),Information und Lernen mit Multimedia und Internet: Lehrbuch für Studium und Praxis, S. 359-372.) Verlagsgruppe Beltz: Weinheim.

Simons, P. R. J. (1992). Lernen selbständig zu lernen – ein Rahmenmodell. In H. Mandl & H. F. Friedrich (Hrsg.), Lern- und Denkstrategien. Analyse und Intervention. Göttingen: Hogrefe.

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