Die Heterogenität der Studierendenschaft in Sachsen-Anhalt – Ergebnisse der QUEST-Befragung

Im Mittelpunkt des dritten Netzwerktreffens der Verbundhochschulen im Projekt Heterogenität als Qualitätsherausforderung für Studium und Lehre (HET LSA) standen die Besonderheiten im Hochschulsystem Sachsen-Anhalts im Vergleich mit anderen Bundesländern. Um einen Überblick über die gegenwärtige Diversitätssituation zu erhalten, war eine Mitarbeiterin der CHE Consult als Referentin eingeladen, die über Ergebnisse der QUEST-Befragung berichtete.

Für das Land Sachsen-Anhalt (LSA) sind aktuell sinkende Studienanfängerzahlen und eine vergleichsweise homogene Studierendenschaft charakteristisch, denn die Mehrzahl der Studierenden stammt aus Akademiker-Elternhäusern. Insgesamt gibt es nur wenige Studierende mit Migrationshintergrund, innerhalb dieser Gruppe überwiegen russische Studierende. Außerdem existiert ein hoher Anteil BaföG-Empfänger.

Zukünftig sind für LSA jedoch Diversitätseffekte zu erwarten, die sich aus den Bemühungen ergeben, den sinkenden Studienanfängerzahlen entgegenzuwirken. Diese Maßnahmen fokussieren einen Anstieg der Hochschulzugangsberechtigten- sowie Übergangsquote, eine vermehrte Bindung von Studienanfängern aus der Region, eine Zunahme der Wanderung von Studienanfängern von den alten in die neuen Bundesländer und einen Zuwachs von Studierenden mit Migrationshintergrund (vgl. Abb. 1). Damit werden auch Personengruppen angeworben, die bislang nicht ins Studium gefunden haben.

Abb. 1: Ausgangslage in Sachsen-Anhalt: Sinkende Studienanfängerzahlen (aus: Präsentation H. Leichsenring vom 09.10.2012).

Mit der zunehmenden Diversität der Studierendenschaft, z. B. in Bezug auf Alter, ethischem/kulturellem Hintergrund oder Behinderung, geht die Herausforderung einher, Hochschullehrende auf diese heterogenen Studierendenkohorten vorzubereiten, was sich in der übergeordneten Zielstellung von HET LSA widerspiegelt. Die Integration multimedialer Lehr-Lernformen in die universitäre Ausbildung könnte hier einen Beitrag leisten.

Doch nicht nur im Bereich der Lehre sind Maßnahmen erforderlich. Vielmehr ist ein ganzheitliches Diversity Management Konzept zu implementieren, das den erfolgreichen Umgang mit der Vielfalt von Studierenden zum Ziel hat. Dieses darf nicht nur auf den Studienverlauf rekurrieren, sondern soll auch die Prozesse beim Übergang von Schule zu Hochschule bzw. von der Hochschule auf den Arbeitsmarkt berücksichtigen. Das Qualitätsmanagement der Hochschulen ist insofern um Dimensionen der Verschiedenheit zu ergänzen (vgl. Abb. 2).

Abb. 2: Anforderungen an das Diversity Management einer Hochschule (aus: Präsentation H. Leichsenring vom 09.10.2012).

Zur Erarbeitung von Qualitätsstandards werden die Verbundhochschulen verstärkt miteinander kooperieren. Ein erster Schritt in Richtung des Umgangs mit Diversität an der Schnittstelle Schule-Hochschule ist ein von HET LSA initiierter Kompetenzzirkel zu den landesweit angebotenen Mathe-Vorbereitungskursen. Diese sollen zukünftig stärker auf fachliche Vorkenntnisse und individuelle Lernervoraussetzungen Rücksicht nehmen, die aus unterschiedlichen Bildungsbiographien resultieren. Unter der fachlichen Leitung von Prof. Dr. Ulrich Kortenkamp (MLU Halle-Wittenberg) und Dr. Andrea Hoffkamp (HU Berlin) wird bis zum Wintersemester 2013/14 eine aufwandsrealistische Handreichung erarbeitet, die die realen Bedingungen an den einzelnen sachsen-anhaltischen Hochschulen bestmöglich berücksichtigt und gleichzeitig überregionale Beispiele guter Praxis einbezieht. Die Veranstaltung richtet sich an alle Verantwortlichen von mathematischen Brückenkursen bzw. Erstsemesterveranstaltungen und sonstigen Interessierten im Land.

Quelle: Präsentation H. Leichsenring (CHE Consult) vom 09.10.2012. Weitere Informationen zu den Ergebnissen der QUEST-Befragung unter: http://www.che-consult.de/cms/?getObject=1033&getLang=de (Diversity Report, Stand: 15.11.2012).

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